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Studienablauf

Studienablauf

Wie sieht der Alltag von dual Studierenden aus? Wie verläuft ihr Studium mit Praxis- und Theorieteilen genau? Drei Praxisbeispiele für unterschiedliche Studienverläufe:

  • Dominik Bayerl, Wirtschaftsingenieurwesen

    Dominik Bayerl (22) studiert im sechsten Semester an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) Wirtschaftsingenieurwesen. Dabei arbeitet er – immer im Wechsel mit theoretischen Kursen in Heidenheim alle drei Monate in seinem Praxisbetrieb, der Wieland-Werke AG in Ulm.

    Wenn er bei dem weltweit agierenden Kupferhersteller tätig ist, wohnt Dominik bei seinen Eltern, in den dreimonatigen Kursphasen in Heidenheim mietet er ein Zimmer. Die Abwechslung und die Ergänzung von Theorie und Praxis waren für Dominik der Grund, sich für ein duales Studium zu entscheiden. »Ich wollte nicht sechs Jahre nur Theorie studieren und dann merken, dass mir der Beruf  gar nicht gefällt«, sagt er. Denn zunächst wusste er nur eins: »Ich will mal in der Industrie arbeiten.« Jetzt kann er beides lernen und testen. Dafür nimmt er auch enorme Anstrengungen in Kauf – 50- oder 60-Stunden-Wochen sind für DHBW-Studierende nichts Ungewöhnliches.

    Das Gefühl, während des Studiums schon etwas Konkretes zu bewegen, wiegt das aber auf. So konnte er in einem amerikanischen Tochterunternehmen mit einem eigenen Projekt helfen, die Produktion effizienter zu machen. Nach dem Abschlusswill Dominik aber noch seinen theoretischen Hintergrund erweitern. »Ich fühle mich durch mein duales Studium sehr gut auf meinen Beruf vorbereitet, aber ich habe noch mehr Wissensdurst und möchte deshalb auch ein Masterstudium machen.«

    Dabei gibt es aber ein Problem: Viele Hochschulen haben noch Vorbehalte gegenüber dual Studierenden, obwohl die Abschlüsse anerkannt sind. Einen Platz zu bekommen, ist deshalb nicht ganz einfach. Dominik hat aber durch seine praktische Erfahrung eine Menge Selbstbewusstsein gewonnen und weiß, wie er sich verkaufen muss: »Ich würde zugeben, dass ich nicht der Brüller bin im wissenschaftlichen Arbeiten. Aber wenn ihr mir ein Projekt gebt, dann weiß ich, was ich machen muss, damit es läuft.«

  • Maren Schober, Sozialwirtschaft

    Menschen zu helfen und diese Hilfe gut zu organisieren – das lernt Maren Schober (23) in ihrem dualen Studiengang Sozialwirtschaft. Ihre Berufspraxis bekommt sie dabei Sozialamt der Stadt Reutlingen, wo sie in der Kindertagesbetreuung arbeitet und für die Kindertagesstätten Baumaßnahmen koordiniert. Die Kombination aus sozialer Arbeit und Betriebswirtschaft hat sie für ein duales Studium an der Fakultät für Sozialwesen der Hochschule in Villingen-Schwenningen begeistert. Hier gewinnt sie Einblicke auch in andere soziale Felder wie Krankenhäuser oder Behinderteneinrichtungen. »Ich möchte immer das Bestmögliche herausholen, für die Bürger und die betroffenen Menschen.« Dabei hat sie das Gefühl, dass Eigeninitiative und Verbesserungsvorschläge honoriert werden.

    Mit ihrer Ausbildung, die finanzielle wie menschliche Aspekte berücksichtigt, möchte sie auch Einfluss auf die Politik nehmen. Maren sind Unabhängigkeit, Flexibilität und Offenheit besonders wichtig. Dabei kommt ihr zugute, dass sie mit ihrer Ausbildungsvergütung im dualen Studium schon finanziell unabhängig sein kann. Bei den anderen Studierenden ist das problematischer: Auch viele Institutionen in freier Trägerschaft bilden dual aus, können aber oft nicht viel bezahlen, sodass manche dual Studierende noch andere Quellen benötigen. Dafür sind die Jobchancen gut: Rund 80 Prozent der dual Studierenden werden von ihrem Praxisbetrieb übernommen – und wenn nicht, finden sie auch leicht andere Möglichkeiten. Maren: »Uns wird im Studium die Angst genommen.«

    Dafür hängt sie sich auch ordentlich rein, Ferien hat sie kaum. In den 26 Tagen, die sie pro Jahr freibekommt, muss sie oft noch Arbeiten fürs Studium schreiben, so dass nur Weihnachtsferien und eine Woche Sommerurlaub bleiben. Dafür genießt sie das familiäre Verhältnis am Hochschulstandort mit kleinen Kursen sowie die guten Gelegenheiten, Netzwerke zu knüpfen.

  • Tanja Keilmann, Wirtschaftsinformatik

    Schon früh kam die Studentin Tanja Keilmann (22) in Kontakt mit dem dualen Studienweg, als ein ehemaliger Mitschüler als Vertreter der DHBW an ihre Schule kam, um für deren Angebot zu werben. Die Praxisnähe des Studiums reizte sie. »Ich wollte Berufserfahrungen machen, aber auch kein Jahr zwischen Abitur und Studium verlieren.« Um dabei ihr Interesse an Wirtschaft mit ihren Mathefähigkeiten zu kombinieren, entschloss sie sich, Wirtschaftsinformatik zu studieren. Das tut sie in der IT-Abteilung der Deutschen Rentenversicherung Baden-Württemberg (DRV BW) in Stuttgart, wo sie sich um den Auftritt in den sozialen Medien kümmert. An der Hochschule war sie erstaunt: »Das war für mich eine positive Überraschung, dass ich einen Stundenplan und so etwas wie einen Klassenlehrer bekomme. Dadurch kann man sich dann voll aufs Studium konzentrieren.« Die Lehrpläne werden von der Hochschule mit den Ausbildungsunternehmen abgestimmt.

    Außer durch die Wahl des Unternehmens können die Studierenden nicht über ihre Kurse in den Theoriephasen entscheiden. Eigenständiges Arbeiten konzentriert sich bei Tanja zum größten Teil auf die Praxisphase. Eine feste Position im Leben ist ihr wichtig, deshalb gefällt ihr die enge Bindung an den Betrieb.

    Besonderen Wert legt sie darauf, immer zielgerichtet voranzugehen »Ich kann mir vorstellen, für ein Unternehmen mit einer festen Aufgabe ins Ausland zu reisen.« Nach ihrem Studium möchte sie deshalb gerne weiter bei der DRV BW arbeiten, die sie auch übernehmen wird. Tanja überlegt sich nun, einen Master in Marketing hinzuzufügen, auch an der DHBW. »Ich habe lieber mit Menschen zu tun anstatt mit Maschinen. Im Marketingbereich kann man ja auch visuell kreativ sein«, sagt Tanja. Das Unternehmen unterstützt sie dabei: »Die wollen ja auch die Leute behalten, in die sie drei Jahre investiert haben. Die schauen, was man später machen will, und versuchen dann, das zu integrieren.«

    (Quelle: BIBB, Praxisbeispiele 2014)

  • Schematischer Verlauf: Theorie- und Praxisteil

    Praxis- und Theorieteile des dualen Studiums verlaufen möglicherweise ganz unterschiedlich. Beispiele dafür, wie verschieden die Modelle im Alltag aussehen können, siehst du auf den beiden folgenden Grafiken. 

    Blockweiser Studienverlauf ver.di Jugend Blockweiser Studienverlauf


    Bei diesem ersten Modell ist dein Alltag in klare Zeitabschnitte aufgeteilt: Ein bis zwei Monate bist du für deinen Praxisteil (Berufsausbildung) im Betrieb. Danach widmest du dich mehrere Monate deiner theoretischen Bildung an der Hochschule, und wieder von vorne.

    Tageweiser Verlauf ver.di Jugend Tageweiser Verlauf


    Bei diesem Modell pendelst du ständig tageweise zwischen deiner praktischen Ausbildung im Betrieb und der Theorie an der Berufsakademie.