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Rechte

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Dein Status (Regelungen pro Studienform)

Arbeitnehmer- oder Studentenstatus – was gilt für dich?

Während der Phasen an der Hochschule bist du immatrikuliert und hast einen Status als reguläre_r Student_in. Du bekommst einen Studentenausweis, hast Anspruch auf das Semesterticket für den öffentlichen Nahverkehr und einen Platz in einem Studentenwohnheim.

Du absolvierst einen praxis- oder ausbildungsintegrierten dualen Studiengang? Dann kannst du unter Umständen auch BAföG oder Kindergeld beantragen. Allerdings wir deine Ausbildungsvergütung beim BAföG als Einkommen angerechnet. Beim Bezug von Kindergeld gelten dagegen keine Grenzen für die Einkommenshöhe mehr.

Beachte: Ob du als Auszubildende_r, Arbeitnehmer_in oder als Studierende_r giltst, hängt davon ab, welche Form des dualen Studiums du durchläufst. Entsprechend wirst du auch unterschiedlich in die Sozialversicherung eingeordnet.

Bei Zusatzeinkünften und was die Unfallversicherung angeht, gelten oft Besonderheiten für dual Studierende. (LINK zu ausbildung.info)

Berufsbegleitendes, berufsintegriertes & ausbildungsintegriertes Studium

Nach dem Sozialversicherungsrecht giltst du offiziell nicht als Studierende_r, wenn du ein ausbildungsintegriertes, berufsintegriertes oder berufsbegleitendes duales Studium absolvierst. Das sogenannte „Werkstudentenprivileg“ entfällt.

Während deiner Praxisphasen im Betrieb zählst du nämlich:

  • In einem berufsbegleitenden oder berufsintegrierten dualen Studiengang als Arbeitnehmer_in
  • In einem ausbildungsintegrierten dualen Studiengang als Auszubildende_r nach dem Berufsbildungsgesetz (LINK BBiG, Download)

Es gelten für dich jedoch immer arbeitsrechtliche Mindeststandards wie zum Beispiel die gesetzlichen Regelungen zu Arbeitsschutz, Arbeits- und Pausenzeiten. Und du hast ein Recht auf ein qualifiziertes Arbeitszeugnis und eine betriebliche Interessenvertretung.

Du hast Probleme mit deinem Arbeitgeber? Erste Anlaufstellen für dich sind der Betriebsrat oder die Jugendauszubildendenvertretung (JAV) in deinem Unternehmen. Werden sie gewählt, bist du in der Regel stimmberechtigt.

Beachte: Wenn deine betriebliche Vergütung über 325 Euro pro Monat beträgt oder deine Zusatzeinkünfte über 400 Euro pro Monat liegen, müssen einkommensabhängige Beiträge an alle Sozialversicherungszweige gezahlt werden!

Praxisintegriertes Studium

Wenn du in einem praxisintegrierten dualen Studiengang studierst, hast du normalerweise den Status eines/einer Werkstudent_in und keinen Arbeitnehmerstatus. Voraussetzung ist, dass die praktischen Lerninhalte in erster Linie durch die Hochschule bestimmt werden und diese somit als Teil der Hochschulausbildung gelten.

In einem praxisintegrierten dualen Studium bist du Auszubildende_r oder Praktikant_in. Dies allerdings nicht im Sinne des Berufsbildungsgesetzes BBiG (PDF-Download).

Der Nachteil: Gesetzliche Ansprüche auf Urlaub, Kündigungsschutz oder eine bestimmte Bezahlung sind dann nur schwer durchsetzbar.

Tarifverträge und Betriebsvereinbarungen gelten entsprechend auch nur dann für dich, wenn darin duale Studiengänge genau aufgeführt sind.

Als Werkstudent_in ist deine Vergütung also sozialversicherungsfrei, unabhängig davon

  • wie oft und wie lange du im Betrieb tätig bist.
  • ob du ggf. deine Praxisphase früher als dein Studium angetreten hast.
  • ob du mit deinem Partnerbetrieb einen eigenen Vertrag abgeschlossen hast.

Es gibt aber Ausnahmen. Keinen Werkstudentenstatus hast du:

  • wenn ggf. bereits vor Beginn deines Studiums ein Beschäftigungsverhältnis mit deinem Partnerbetrieb bestanden hat.
  • wenn statt der Hochschule vorrangig dein Betrieb die Lehrinhalte der Praxisphasen bestimmt.
  • wenn du einen praxisintegrierten dualen Studiengang an einer Fachhochschule der öffentlichen Verwaltung absolvierst.

Der Grund: Eine solche Hochschulausbildung zählt immer als Bestandteil eines Beschäftigungsverhältnisses. Daher besteht Sozialversicherungspflicht!

  • Vertrag & Zeugnis

    Auch als studentische_r Arbeitnehmer_in gilt für dich das Arbeitsrecht. Du hast zum Beispiel das Recht auf Urlaub und Lohnfortzahlung im Krankheitsfall. Auch wenn du keinen Anspruch darauf erheben würdest, ist es nicht zulässig, darauf zu verzichten.

    Wenn du einen Arbeitsvertrag unterschreibst, solltest du genau aufpassen, denn: Viele wichtige Inhalte – wie deine Arbeitszeit oder die Höhe der Vergütung, können frei verhandelt werden. Das ist zumindest der Fall, wenn kein Tarifvertrag besteht.

    Arbeitsvertrag

    In den Arbeitsvertrag gehören grundsätzlich:

    • Name und Anschrift der Vertragspartner_innen
    • Arbeitsort
    • Beginn der Beschäftigung
    • bei befristeten Beschäftigungen die vorhersehbare Dauer
    • eine kurze Tätigkeitsbeschreibung
    • Zusammensetzung und Fälligkeit des Gehalts
    • Arbeitszeit
    • Lohnfortzahlung im Krankheitsfall
    • Anspruch auf Erholungs- und Bildungsurlaub (inkl. Dauer, Urlaubsentgelt, Urlaubsgeld)
    • Kündigungsfristen des Arbeitsverhältnisses
    • Hinweise auf anzuwendende Tarifverträge
    • Betriebs- oder Dienstvereinbarungen

    Du bist unsicher, ob dein Arbeitsvertrag in Ordnung ist? Du kannst dich an deinen Betriebsrat wenden oder auch an Gewerkschaften an deinem Ort. Hier erhältst du auch Informationen über gültige Tarifverträge oder Betriebsvereinbarungen.

    Auch wenn die gesetzlichen Standards des Arbeitsrechts selbst ohne schriftlichen Vertrag gelten: Bestehe darauf, eine Niederschrift der Vertragsbedingungen zu erhalten. Du hast gesetzlich darauf Anspruch, wenn du länger als einen Monat beschäftigt bist. Der schriftliche Arbeitsvertrag ist besonders wichtig, wenn es um Streitigkeiten bei einer plötzlichen Kündigung oder Lohn geht.

    Wenn dein Chef sich hier querstellt, könntest du im Zweifel behaupten, dass du den Vertrag als Verdienstnachweis für die Wohnungssuche brauchst und so etwas Druck aufbauen.

    Weitere Informationen zum Arbeitsvertrag findest du in der Broschüre „Studium. Bafög, Job“ des DGB, hier zum Download.

    Zeugnis

    Du hast deine Abschlussprüfung bestanden, willst dich vor Ausbildungsende bewerben oder deine Ausbildung womöglich abbrechen? In allen Fällen steht dir ein Zeugnis zu (siehe dazu §8 BBiG, PDF-Download).

    Wenn es in deinem Betrieb eine eigene Personalabteilung gibt, bekommst du dein Zeugnis meist problemlos. Bei kleineren Betrieben fehlt dafür oft die Zeit.

    Tipp: Lies den Entwurf für dein Zeugnis aufmerksam durch und prüfe die Angaben. Deine Interessenvertretung unterstützt dich gerne dabei oder prüft für dich, ob dein Zeugnis korrekt und vollständig ist. Viele Tipps erhältst du hier.

    Zwischenzeugnis

    Ein Zwischenzeugnis steht dir zu, wenn das Beschäftigungsverhältnis endet, wechselt oder du dich aus anderen Gründen schon vor Ausbildungsende bewerben möchtest.

    Du kannst von deinem Arbeitgeber ein qualifiziertes Zwischenzeugnis anfordern, das am Ausbildungsende in ein Abschlusszeugnis umgewandelt wird.

    Möglicherweise sind deine Zeugnisansprüche je nach Ausbildungsberuf auch in einem bindenden Tarifvertrag geregelt. Frag dazu einfach bei deiner Gewerkschaft nach!

    Abschlusszeugnis

    Spätestens am letzten Tag deiner Ausbildung, das heißt nach bestandener Abschlussprüfung, bekommst du dein Ausbildungs- bzw. Abschlusszeugnis. Darin sind deine erlernten Fähigkeiten dokumentiert und deine Leistungen bewertet. Prüfe alle Angaben genau. Achte auf die Formulierungen und darauf, dass alle wichtigen Angaben enthalten sind. Denn das Zeugnis ist wesentlich für deinen weiteren Berufsweg.

  • Arbeitszeit & Urlaub

    Deine Arbeitszeit

    In deinem Arbeitsvertrag ist mindestens die tägliche Arbeitszeit angegeben, zusätzlich auch manchmal die wöchentliche Arbeitszeit. Wie lange und an welchen Tagen du in deiner dualen Ausbildung arbeiten darfst, steht im Arbeitszeitgesetz (kurz ArgZG, PDF-Download). Im ArgZG wird nach Art der Arbeit, Ausbildungsbranche und Alter unterschieden. Darüber hinaus gelten für diverse Berufsgruppen und Branchen verschiedene Tarifverträge. Gewerkschaften haben oft noch weitere Leistungen für Arbeitnehmer_innen ausgehandelt.

    Und schließlich gibt es noch Ausnahmeregelungen: Um zu bestimmen, welche Arbeitszeiten für dich gelten, musst du also ganz genau nachlesen! Weitere Details zu Arbeitszeiten, Arbeitszeiterfassung und Überstunden gibt es hier.

    Wenn du darüber hinaus noch Fragen hast, kannst du dich jederzeit an deine Interessenvertretung wenden.

  • Übernahme & Berufseinstieg

    Erste Berufserfahrung zu machen ist enorm wichtig. Als dual Studierende_r hast du hier einen klaren Vorteil und größere Chancen, einen neuen Arbeitsplatz zu finden. Denn du weißt schon früh, wie es in der Praxis im Unternehmen läuft. Wenn du fest angestellt warst, hast du zudem meist Anspruch auf Arbeitslosengeld. 

    Wichtig ist: Spätestens drei Monate vor Ausbildungsende solltest du dich informieren, welche Konditionen zum Thema Übernahme für dich gelten. Du hast leider keinen rechtlichen Anspruch auf eine Weiterbeschäftigung nach der Ausbildung, da ein Ausbildungsvertrag immer zweckbefristet ist.

    In manchen Branchen ist die Übernahme nach der Ausbildung im jeweiligen Tarifvertrag oder durch betriebliche Vereinbarungen geregelt. Möglicherweise wirst da daher nach bestandener Abschlussprüfung tatsächlich übernommen – für eine bestimmte Zeit oder sogar unbefristet.

    Sollte dein Arbeitgeber dir allerdings keine Auskunft zu einer Weiterbeschäftigung geben, nimm am besten Kontakt zu deiner Interessenvertretung auf. Gemeinsam könnt ihr mehr erreichen. Denn eine befristete Übernahme ist immer noch besser als gar keine!

    Als Gewerkschaftsmitglied hast du übrigens den Vorteil, dass du in manchen Branchen auf Basis des entsprechenden Tarifvertrags (un)befristet übernommen wirst. Hier bekommst du weitere Informationen zu den gesetzlichen Regelungen LINK §78a Betriebsverfassungsgesetz (kurz BetrVG, PDF-Download) und in §9 Bundespersonalvertretungsgesetz (kurz BPersVG, PDF-Download)

    Bist du schwanger oder bereits Mutter geworden? Hier erhältst du mehr Infos zum Studieren mit Kind!

    Falls es mit der Übernahme nicht klappt, bleib zuversichtlich und schau mal nach unseren Infos zum gelungenen Berufseinstieg! Du überlegst, eine Beamtenlaufbahn einzuschlagen? Als "Staatsdiener_innen" bezeichnet, sind Beamte_innen im öffentlichen Dienst bei Bund, Ländern und Gemeinden tätig. Genaueres findest du hier.

    Deine Rechte im Job

    Auch als studentische_r Arbeitnehmer_in bist du den Wünschen deiner Arbeitgeber_innen nicht rechtlos ausgeliefert. Für dich gilt das Arbeitsrecht.

  • Wahlrecht & Interessenvertretung

    Betriebs- oder Personalrat, JAV (Jugend- und Auszubildendenvertretung) oder außerbetriebliche Interessenvertretung: Alle kümmern sich um deine Probleme. Das gilt während der Zeit deiner Ausbildung, deines dualen Studiums und später im Berufsleben als Beschäftigte_r.

    Die JAV dürfen alle jugendlichen Beschäftigten bis zur Vollendung des 18. Lebensjahr und alle Auszubildenden unter 25 wählen.

    Den Betriebsrat können alle Arbeitnehmer_innen des Betriebes wählen, die das 18. Lebensjahr vollendet haben. Auch als Azubi über 18 hast du bei der Betriebsratswahl das Wahlrecht, denn du giltst rechtlich als Arbeitnehmer_in (§ 5 Abs. 1 Satz 1 BetrVG). Du kannst dich während deines dualen Studiums auch selbst als Kandidat für die JAV-Wahl aufstellen lassen. Das gilt für jede_n Arbeitnehmer_in unter 26, auch dann, wenn er oder sie nicht mehr in der Ausbildung ist. 

    Schau hier nach, wenn du mehr über deine Interessenvertretung wissen willst.